Interview mit Christo P: Im Gespräch mit dem Berliner Allround-Talent

berlin.eins-Mitarbeiter Marco besuchte sein Konzert und konnte Christo nach dem Gig einige Minuten für ein Interview abringen

Hallo Christo, bevor wir über deine Musik sprechen, musst du uns noch sagen wie du zu deinem Namen gekommen bist und wofür er steht oder was er bedeutet?

Ja, mein Name Christo P ist ein Künstlername, der mir deshalb einfiel, weil ich den Verpackungskünstler Christo und seine Frau Jean-Claude so toll finde. Der hat unter anderem den Reichstag und Botschaften verpackt, und ich hab schon immer inhaltliche Botschaften in Reime verpackt. Deshalb hab ich mir gesagt, ich heiß Christoph mit Vornamen, und wenn ich Christoph auf Christo abkürze, dann ist das schon mal n cooler Spitzname.

Christo P

Und P als Nachnamensinitial kann ich dann mit reinnehmen und hab dann ein bisschen Sicherheit, dass keiner Stress macht, der sich auch Christo P nennt, irgendwo vielleicht in Frankreich, Honolulu oder so. Denn ich bin damit an meinem bürgerlichen Namen extrem nah dran. Im Grunde is es ja einfach´ ne Abkürzung.

Christo, du bist ein sehr vielseitiger Künstler, mit zahlreichen Album-Veröffentlichungen, drei eignen Musical-Produktionen und diversen Musik-Projekten nicht nur in Deutschland. Erinnerst du dich noch, warum du mit dem Musikmachen angefangen hast. Gab es da ein einschneidendes Erlebnis?

Also ich denke, dass mich die Kirchenbesuche ziemlich geprägt haben. Meine Mutter ist katholisch und ich bin immer mitgegangen in die Kirche. Später war ich auch Ministrant und das war irgendwie meine Heimat. Obwohl ich damit nicht sooo viel anfangen konnte als Jugendlicher.

Aber ich hab mich halt sehr für die Musik interessiert und entdeckt, dass die Kullerchen auf den Notenlinien hoch gehen, wenn höhere Töne kommen. Und im Kirchensaal, habe ich dann mal das Klavier ausprobiert und Sachen nachgespielt und da haben die Leute mit sechs, sieben Jahren schon gemerkt, dass da irgendwas ist.

Meine Eltern haben erst ´n Klavier gekauft, als es aufm Basar für 80,- Mark zu haben war - und ich hab angefangen, Klavier zu lernen. Kommt übrigens auch in nem Song von mir vor - "Der Mann am Klavier" - da erzähl´ ich die Story so´n klein bisschen, in der ersten Strophe.

Kann man dich auf eine Musikrichtung festnageln?

Nee, absolut nich! Also ich mag bestimmte Musikrichtungen nicht besonders, insbesondere alles, was schlecht produziert ist und wo stupide nur ein Sample im ganzen Song durchläuft und dann nur noch n Phaser drüber läuft. Also, das ist nicht wirklich so mein Ding.

Aber ich produziere eigentlich alle Richtungen gerne, deshalb hab ich auch immer schon im Bereich Werbewirtschaft Auftragskompositionen angeboten.

Schreib auch für Leute persönliche Songs, wenn se zum Beispiel heiraten. Und eigentlich alles, was Soul, Rap, HipHop, Klassik, Jazz, PopRock angeht, mag ich gerne und schreib ich selbst auch… Schwerpunkte sind bei Rap, Jazz und Pop, aber ziemlich breit angelegt. Und gerade, wenn man wie ich Musicals produziert, dann muss man dazu auch vielfältig sein, weil man die Charaktere, die dort dargestellt werden gerade über die musikalische Seite zeigt.

Wo nimmst Du die Ideen für deine Songs her? Kommen diese bei einer Session im Studio oder fallen sie Dir bei ganz alltäglichen Dingen ein?

Christo P

Is eigentlich ganz unterschiedlich. Manche Songs sind mir beim Fahrradfahren eingefallen; "Lass die Sonne rein!" zum Beispiel, was ich schon auf meinem ersten Rap-Album hatte. Das hab ich in ´na ziemlich langen, verzögerten Rad fahrt nach Hause alles komplett geschrieben.

Andere Songs fallen mir tatsächlich beim Spielen ein. Meistens wenn ich zuhause am Flügel sitze und dann improvisiere, da kommen die Ideen und im besten Fall merk ich sie mir oder ich schreib sie auf.

Inzwischen hab ich mein Studio zu mir nach Hause geholt und kann dann sofort aufnehmen. Das ist gerade für meine neue Arbeit sehr wichtig, weil ich beim Spielen komponiere. Ich glaube, dass die meisten Songs von mir aus dem Moment entstanden sind.

Manchmal is es auch aus dem Text gekommen, dass ich eben irgend ein Thema total wichtig fand zu beschreiben. Ich hab letztens so ´n Lied geschrieben über ´n Bürgerkriegsflüchtling, wie der seine Odyssee durch Afrika angetreten hat um nach Europa zu komm und da drei Jahre unterwegs war und jetzt in Marokko auf sein Visum wartet, um als Student seinen Bruder in Frankreich zu besuchen und dann illegal dort zu bleiben.

Solche Sachen, die beschäftigen mich halt total, wenn ich dann so ne Geschichte hör, dann recherchier ich und schreib n Text. Aber meistens entstehen Songs aus der Musik und dann kommt der Text.

Wie bereitest Du dich auf Deine Gigs vor?

Ja, eigentlich auch ganz unterschiedlich. Manche Gigs sind so easy, dass ich nur hingehe und spiele, weil ich dann einfach weiß, ich soll da unterhalten. Dann schöpf ich so aus meinem Repertoire von so zwei-, dreihundert Liedern - Songs aus allen Richtungen, die ich spielen kann.

Andere Gigs, wie zum Beispiel der heute Abend, hab ich etwas intensiver vorbereitet, weil ich eben auch gucken wollte, was heute hier passt und zwei, drei neue Lieder mit unterbringen wollte. Die hab ich gestern und heute noch geprobt und dann muss man ja auch seine Sachen packen und Technik und so weiter…

Was dich zur nächsten Frage bringt, glaub ich!? (Anmerkung der Redaktion: Christoph hat immer wieder heimlich auf den Zettel mit den Fragen gelinst!)

Wie sehen Deine Live-Gigs aus? Brauchst Du eine aufwendige Technik oder Schließt Du nur einen Laptop ans Mischpult arbeitest du mit einer Band?

Also mit Laptop arbeite ich bisher gar nich… Ich hab Ewigkeiten bei Rap-Auftritten mit Minidisk gearbeitet. Das is n super super zuverlässiges Format und ruckelt nicht. Und wenn du irgendwie mal auf der Bühne rumspringst, dann springt halt keine CD und die Musik läuft weiter und weiter…

CD´s zerkratzen mir zu leicht und ich hab deshalb wenige Sachen auf CD. ´S macht mich auch n bisschen unflexibel manchmal. Auf der Bühne muss ich anfangen von Titel zu Titel zu skippen - der eine is Nummer 7, der andere is Nummer 10.

Du engagierst dich auch bei etlichen sozialen Projekten und bist im Musikbereich auch als Coach tätig und hältst Seminare ab. Woher nimmst du die Energie dafür?

Hm, ich bin jemand der ungern immer nur das Gleiche macht! Ich hab wahnsinnig darunter gelitten mein Jurastudium durchzuziehen und im Büro von 9 bis 5 Uhr zu arbeiten. Das is einfach absolut nicht mein Ding. Ich brauch immer Abwechslung. Ich mach gerne unterschiedliche Sachen.

Christo P

Ein Großteil meiner Einnahmen stammt aus dem Klavierunterricht und das is ne sehr beständige Sache, aber ich könnte zum Beispiel nicht nur Klavierunterricht geben. Ich könnte auch nicht an einer Musikschule arbeiten, drei, vier, fünf Tage die Woche.

Ich hab ´ne Zeit lang zwei Tage die Woche, an einer Musikschule unterrichtet. Und das hat mich zeitweise wahnsinnig gemacht, weil einer nach dem anderen da so reinkommt und abgefertigt wird.

Ich möchte aber den Menschen was weitergeben, was von dem, was ich selbst bekommen habe. Ich freu mich tierisch, Leute wachsen zu sehn und deshalb macht mir das Unterrichten viel Spaß. Und ganz besonders macht mir Spaß, Leute zu coachen, ihnen ihre eigenen Sachen - die sie in sich haben - aus der Nase zu ziehen und sie besser zu machen.

Also gerade beim Rap gibt´s echt tolle, junge Talente, die nur noch so´n paar kleine Schliffe brauchen. Zum Beispiel in Sachen Rhytmusarbeit, die ich mit ihnen machen kann, in Sachen Textarbeit und in Sachen Verständlichkeit. Ich glaub zum Beispiel, dass die Mehrzahl der deutschen Rapper in jedem Satz verständlich sein könnte - und nicht nur jedem fünften Wort.

Es gibt halt wirklich viele Rapper, die letztlich… - ok, viele davon haben wiederum auch nichts zu sagen, da is es auch egal - aber es gibt eben doch ne Menge Leute, die ham was zu sagen und da is´ es einfach schade, wenn man´s nicht versteht, weil die da so vor sich hin Nuscheln und das ist nicht cool.

Ich kann nur sagen, es ist auch sehr cool, wenn du deutlich rappen kannst und da is Curse zum Beispiel n Wahnsinns Beispiel. Der kann auch Doubletime und Trippletime deutlich sprechen - akzentuieren! Er kann das so machen, dass man es immer noch versteht. Und ich denke, das ist Kunst.

Die Energie fragst du!? Also, das eine ist eben auch meine Liebe für Menschen, so, dass ich Leuten gerne weiterhelfen will. Und das andere ist, dass ich eben selber Liebe von Gott erfahren habe und weitergeben möchte.

Ich möchte Leuten gerne zeigen, dass es anders gehen kann, als immer nur an sich selber zu denken. Und deshalb gibt es eben soziale Projekte, in denen ich Sachen mache, die mir jetzt keine Kohle und keinen Fame bringen. Ich denke ich hab mich auch oft schon zum Nappel gemacht, auf kleinen Veranstaltungen. Irgendwie was zu machen oder für irgendwelche Senioren mal ´n Rap-Songs zu singen oder so. Es ist aber die Frage, wer du bist und was dich antreibt. Was willst du machen und warum willst du das machen und, ja, es gibt eben da einfach Sachen, die mir selbst wichtig sind.

Woher dieser unerschütterliche Glaube an/in Gott?

Hm, also erstens is der nich so unerschütterlich. Er is ziemlich erschütterlich. Vor allem im Ausleben des Glaubens bin ich ziemlich schwankend.

Ich weiß aber, dass es Gott gibt. Ich weiß dass er auch konkret is, dass er nicht nur irgendeine Kraft ist. Ich weiß, dass das, was in der Bibel steht, die Wahrheit ist, dass die Dinge, die dort stehn überprüfbar und real sind. Dass es um Fakten geht, die der rationalen Überprüfung zugänglich sind und dieser auch standhalten.

Dass es nicht ein altes Märchenbuch ist, sondern das neben Prosa und Erzählungen eben auch ganz viele Tatsachenberichte da drin sind, die von Leuten damals bezeugt wurden und die auch außerhalb der Bibel bezeugt wurden.

Für mich ist die Bibel deshalb eben die Instanz in meinem Leben. Leider kann ich vieles davon nicht so umsetzen. Und letztlich sollte jeder bemerken - selbst wenn er dem Mann von Nazareth nachfolgt - dass wir sehr fehlbar sind.

Ich glaube, dass diese Schwäche auch ne Stärke sein kann. Darüber sing ich nachher noch in meinem Song "Held", den ihr auch auf der CD "Nach Eins" findet. Denn du brauchst nicht heldenhaft zu sein, um ein Held zu sein!

Aber um die Frage nochmal von einer anderen Seite zu beleuchten - ich hab die Bibel lange Zeit immer nur als Buch wahrgenommen, was die Leute zwar besitzen, aber was sie nicht persönlich.

Ich hab mit Menschen zu tun gehabt - in den beiden Volkskirchen und an christlichen Schulen - die mir erzählt haben, das lässt sich nicht umsetzen. Und ich hab dann halt immer so gedacht, "Hey, aber das wär doch ganz cool und warum sollte man denn das hier nicht mal ausprobieren, was Jesus sagt?" Und die Leute ham mich immer nur abgebügelt und gesagt, "Nee, ach! Das geht alles nicht und das brauch man gar nich erst zu versuchen". Und da hab ich mich gefragt, "Ja, warum geht ihr dann nich in n Fußballverein, warum geht ihr in die Kirche? Oder warum schickt ihr eure Kinder auf christliche Schulen? Was is das mit diesem christlichen Wertesystem und Abendland?"

Ich kann damit nich wirklich viel anfangen. Ich hatte immer wieder den Eindruck, es geht um irgend ne Fassade, die man am Sonntag hat und die man in der Woche nich lebt. Und mit sowas wollte ich nicht viel zu tun haben, deshalb hab ich mich dann irgendwann abgewendet, vom Glauben und von Kirche.

Da war ich so etwa 15 und hab mich sehr viel mit Wissenschaft beschäftigt und hatte ne Menge atheistische Freunde. Ich hab dann später durch christliche Wissenschaftler oder Leute die gläubig war´n - Werner von Braun und verschiedenste Wissenschaftler aus den Bereichen Astronomie, Astrophysik und Quantenmechanik wieder zurück gefunden, dahin, dass es ´n Gott geben muss.

Hab auch ´n paar Jahre später dann endlich mal Leute kennen gelernt, die konsequent Glauben leben. Und nachdem ich das erstmal ´ne Zeit lang super ätzend und engstirnig fand, dass sie gesagt haben, Jesus ist der einzige Weg, die Wahrheit und das Leben und die einzige Brücke zu Gott und so weiter, hab ich diesen extremen Anspruch von Jesus überprüft und hab irgendwann festgestellt - das stimmt!

Und das bringt mich zu meinem dritten Aspekt der Frage - der insofern unerschütterliche Glaube an Gott, der is mir geschenkt worden. Dadurch, dass ich, nachdem ich diese ganzen theoretischen Dingen für mich geklärt hatte, dann auch praktisch Gott erlebt habe.

Ne Zeit lang hab ich dann versucht, circa ´n Jahr lang, ob ich diese Sachen umsetzen kann, und es gelang mir nich. Und dann hab ich eines Nachts ´ne Erscheinung gehabt, so ´n Licht, was ich gesehn habe und hab wirklich viel Wärme gespürt und ´ne Stimme in mir gehört, dass ich mich ihm anvertrauen soll.

Ich hab damals sofort "Ja" dazu gesagt und einfach gewusst, ich werd die Kraft auch haben, es auszuleben. Und ich denke, diese Kraft ist mal stärker, mal schwächer im Leben. Und vor allem ist eben meine Lust es umzusetzen mal stärker und mal schwächer. Und manchmal bin ich ziemlich egoistisch und hab gar kein Bock darauf. Aber, ich kann Gott nicht aus meinem Leben verdrängen. Ich weiß, er is da, er lebt und alles das ist wahr.

Was bedeutet Liebe und Freiheit für dich?

Ja, Liebe und Freiheit!? Also Liebe is definiert durch Gott selbst. Gott ist die Liebe und lieben bedeutet für mich - im zwischenmenschlichen Bereich - dass ich nicht auf meine eigenen Interessen schaue, sondern, dass ich möglichst immer versuche, auch die Interessen des Anderen zu sehn.

Ich hab oftmals so ´n bisschen ´ne schwierige Art dafür. Also ich bin jemand der gerne viel quatscht und der leicht mal andere damit überbügeln kann, dass sie denke, sie komm´ gar nich erst zu Wort bei mir.

Da ist Selbstverleugnung gefragt das berühmte "das Kreuz auf sich nehmen", wovon Jesus redet, Leuten zuzuhören und ich hoffe, mir gelingt das zunehmend.

Liebe bedeutet eben, die Interessen des anderen wahrzunehmen und auch mal zurückzustecken. Es bedeutet, für den andern was zu tun und seine Bedürfnisse zu sehn, also zu schauen, dass man für ihn was tun kann.

Freiheit!? Bedeutet für mich nicht Freiheit, alles Mögliche zu tun, wozu ich Lust habe. Freiheit bedeutet für mich, dass ich die Kraft habe, das Gute zu tun. Und Jesus definierte Freiheit so: "Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen!"

Also für dich kann ich nur sagen, ey, prüf es. Prüf diesen Anspruch. Sieh dein Leben an und frage dich, ob dich die Sachen, die dich antreiben wirklich dahin bringen, wo du hinkommen willst und ob du frei bist.

Was hältst du von den aggressiven, teils Menschenverachtenden Texten vieler deiner deutschen Rap-Kollegen und dem darum entstanden, momentanen Hype?

Christo P

Also es heißt ja immer, der Hype im HipHop sei abgeebbt. ´S is schwer zu sagen, ähm… ja, es kommt echt auf die Gruppen, auf die Zielgruppen an.

Ich glaube, viele, viele Jugendliche hörn Rap und gerade auch diesen Gangster-Rap und alles was so im Bereich Aggro Berlin und einigen anderen Künstlern entstanden is.

Ich finde, dass man ´ne riesen Verantwortung hat mit Texten, die man schreibt und dass das oft unterschätzt wird. Viele die rappen denken, es geht so darum bekannt zu werden, berühmt zu werden und der Coolste zu sein, die übelsten Sachen zu kicken und möglichst derbe zu sein.

Und, wie man sieht, es funktioniert. Und das war mir auch schon immer bewusst. Ich mach jetzt schon seit über zehn Jahren Rap. Es war mir immer klar, dass ich erfolgreich im weltlichen Sinne sein könnte. Also in dem Sinne wie die Meisten Erfolg definieren würden, wenn ich eben besonders frech und besonders derbe bin. Aber erstens passt das nicht zu mir und zweitens möchte ich so nicht sein und ich möchte nicht auf diese Art und Weise Erfolg haben.

Ich definiere Erfolg ganz anders. Erfolg ist gelingendes Leben! Und ich hoffe, dass mein Leben gelingt. Es gelingt eigentlich zunehmend gut. Und ich muss dafür nicht sooo wahnsinnig bekannt sein und andere Leute irgendwie dazu verführen, dass sie ne schlechte Richtung in ihrem Leben gehn. Ich hab auch empirisch die Beweisführung gemacht, dass diese Texte diese Auswirkungen haben. Ich sach ja, es wird immer wieder unterschätzt.

Ich hab in mehreren Jugendclubs gearbeitet. Und ´ne Zeit lang, mal ein Jahr lang komplett Vollzeit in einem Jugendclub in Hohenschönhausen. Ich hab gemerkt, wie die Leute quer durch alle Betten schlafen - schon mit 12 - und jedes Mädel dann noch versucht die größte Bitch zu sein, weil das ihre Art von Reaktion darauf is, auf solche Texte.

Ich war mir sicher, dass das nicht so wäre, wenn die nicht alle rauf und runter diese Musik hörn würden. Weil es einfach als cool gilt und jeder sich mit dieser Musik, mit seiner Lieblingsmusik, natürlich identifiziert.

Und das läuft eben im Rap über die Texte, das ist ganz klar. Rap is die moderne Form der Predigt, das ist meine Überzeugung seit zehn, zwölf Jahren. Die Frage ist nur, welche Werte predige ich? Und ich möchte gute Werte predigen.

Und siehst du in der Richtung in Zukunft eine Umkehr, wieder zurück zu christlichen Werten und Moralvorstellungen?

Naja, ich denke, es gibt immer so große Strömungen. Es gab ja mal so ´ne "Jesus´ People"-Bewegung und alles Mögliche, aber… Ich weiß nich! In Deutschland war das nie so stark.

Es gab mal ´ne Restaurationsbewegung in den 1850´er Jahren, wo das richtige Wellen von Deutschland erfasst hat. Und ich kenn ´ne ganze Menge Christen, die darauf zählen, dass das jetzt unmittelbar bevorsteht und die große Erweckung, wie das bezeichnet wird, jetzt kommt. Ich bin da ziemlich vorsichtig.

Damit hat man irgendwie immer wieder mal mit gerechnet und es kam nich und ich seh irgendwie nicht die Anzeichen dafür. Wenn andere das tun, is das sehr schön, ich freu mich für sie dafür, aber, ich möchte auch keinem Hoffnungen machen mit etwas, was nachher nich eintritt und dann is´a total enttäuscht.

Ich halt es da mit dem Paulus, der geschrieben hat, wenn wir Leuten Hoffnung machen würden, mit na Sache, wo wir uns selber gar nich so sicher sein könn´, dann wärn wir die elendsten allen Menschen.

Ich möchte Leuten nur was versprechen, was ich auch halten kann. Deshalb erzähl ich in meinen Texten halt auch nicht, dass ich der Größte bin und dass ich auch so wahnsinnig heilig und so wahnsinnig gläubig leben würde. Sondern ich erzähl von meinen Schwächen auch viel. Weil: ich habe Schwächen, ne ganze Menge davon und jeder, der mich irgendwie als Idol oder als irgend ´n tolles Vorbild sehn will, der sollte mich vor allem darin als Vorbild sehn, dass ich eben offen bin über diese Schwächen zu reden und ich hoffe, dass man das auch wahrnimmt.

Du hast vor drei Wochen dein neues Album „Piano Dreams“ rausgebracht. Erzähl uns was darüber!

Ja, "Piano Dreams" is ´ne Reaktion darauf, dass ´ne extrem hohe Quote von Menschen, die meine Musik im Klavierbereich gehört haben, diese Musik auch für sich zu Hause haben wollen.

Ich hab schon immer beim Klavier spielen improvisiert und hab beim Improvisieren auch manchmal komponiert, dass dann richtig ein Stück raus kam und das dann auch richtig durchgearbeitet war, mit mehreren Kompositionsteilen. Und das hab ich jetzt einfach ausgebaut.

Ich hab mir ´n tollen Flügel gekauft, ich hab mein Studio zu mir geholt und hab dann die Ruhe und die Zeit - um in inspirierten Momenten die manchmal morgens und manchmal abends waren - Stücke zu komponieren und aufzunehmen. Und das ist das Ergebnis davon.

Ich hab dann noch zwei, drei andere Musiker dazu geholt, aber nur bei drei oder vier Songs auf dem Album und ansonsten ist das alles eben nur sehr, sehr schöne, kontemplative, beruhigende, tiefe Klaviermusik. Hört rein, auf myspace.com zum Beispiel.

RE "Nach Eins" - Wie ist der Mix zwischen HipHop, Jazz, Pop und Soul entstanden?

Ich sagte ja schon mal weiter vorne, ich hab immer schon alle möglichen Musikrichtungen gerne gehört und auch geschrieben, wegen der Musicals und wegen Auftragsmusik, die ich mache.

Christo P

Und es ist ein echtes Künstler-Album, dieses "Nach Eins". Ich habe auf diesem Album einfach mal gemacht, wozu ich Bock hatte und was, meiner Meinung nach, die schönsten Sachen von mir sind, die bislang noch unveröffentlicht waren.

Es ist ungefähr ´n Drittel instrumentale Klaviermusik, es ist ´n Drittel Rap-Songs. Die überwiegend etwas ruhiger sind und die jetzt nicht sooo tierisch partymäßig sind. Und dann halt noch ein Drittel Gesangs-Songs, in denen ich was erzähle über mich.

Ja, wie gesagt, Jazz is mit drin, poppig angehauchte Sachen, Rap, Crossover, verschiedene Stile.

An welchem/n Projekt/en arbeitest du gerade?

Im Moment arbeite ich daran, dieses neue Album "Piano Dreams Vol. 1" zu vermarkten.

Also viel mach ich über Direktmarketing und sprech Leute an, geb denen die CD´s zum Testhören. Da is ne super hohe Quote von Leuten, die es dann auch kaufen. Ich glaube, die liegt bei 95% im Moment. Und dann such ich dafür ´n Label. Also ich will n New-Classics-Label finden und muss mich jetzt reinhängen, dass ich diese fertige CD, dieses fertige Produkt anbiete.

Das ist eigentlich mein größtes Projekt im Moment, neben dem Akquirieren von vielleicht noch ein oder zwei festen Häusern, wo ich spielen kann. Ich hatte immer mal so ´n Jahr lang oder n halbes Jahr lang fest in irgend nem Hotel oder irgend nem Laden gespielt und im Moment is es bei mir die Deponie, wo ich regelmäßig spiele und dazu würd ich gerne noch so ein oder zwei Läden finden, wo ich regelmäßig spielen kann.

Willst du den Leuten da draußen noch irgendetwas mitteilen?

Ja, versucht Ihr-Selbst zu sein, versucht die Wahrheit rauszufinden. Nicht nur eure Wahrheit oder das, was euch passt, sondern Wahrheit, die beständig ist. Wahrheit, die auch noch dann stimmt, wenn du vielleicht mal zwanzig, dreißig, vierzig Jahre älter bist. Und wir werden alle ziemlich lange leben, zumindest statistisch. Es ist schön, wenn man nicht alle fünf Jahre seine grundlegenden Lebensauffassungen und all sowas ändern muss.

Wie komm ich an deine CD, wenn ich die haben will?

Christo P

Also, die is ganz einfach über Mail zu bestellen, oder, wenn man bei myspace Mitglied wird - was ja total easy und kostenfrei ist - und mir dort eine Mail schickt, dann muss man nur sagen, wo man die hin haben will und ich schick dann die entsprechenden Daten rüber, - typisch ebay halt "einmal überweisen bitte!" - und dann kommt die Ware.

(Interview Marco Wruck)

Kommentare und Originaltext findest Du hier